Robert Gerner im Interview
Herr Gerner, Sie sind Dekanatsreferent des Dekanates Biberach. Was sind genau Ihre Aufgaben und was machen Sie von allen Dingen besonders gern?
In erster Linie möchte ich die Ehren- und Hauptamtlichen in den Gemeinden unterstützen. Dazu kommt die Geschäftsführung für das Dekanat Biberach und die gesamte Organisation der Dienstsitzungen und Konferenzen – von inhaltlich-struktureller Planung bis zur Durchführung. Ein großes Highlight ist für mich die Vernetzungsarbeit: Jourfixe mit Caritas, Jugendreferat, KEB, Landesverband, VZ usw. Natürlich gehören Ökumene und die politische Ebene auch dazu. Mit den Profil- und Kategorialstellen gilt es, sich gut abzustimmen und diese zu unterstützen. Dazu kommen die Pilgerbegleiter und Wegpaten des Martinuswegs, die Ehevorbereitung und die Öffentlichkeitsarbeit dazu. Ebenfalls ist das Alfons-Auer-Haus in allen Formen zu betreuen und weiterzuentwickeln. Spannend bleibt für mich, neue Ideen zu gestalten und gemeinsam umzusetzen – mit Herz, Glaube und Freude.
Sie stammen aus Ochsenhausen und sind dort immer noch gut eingebunden. Was gefällt Ihnen an Oberschwaben?
Mir gefallen die Traditionen, das Essen und die Menschen – und unsere geniale Vereins- und Ehrenamtsarbeit, die das Miteinander so lebendig macht.
Was ist Ihnen im Leben, abgesehen von Ihrer Arbeit, wirklich wichtig?
Meine Familie ist mir extrem wichtig, damit verbunden die Entwicklung und Sorge für meine fünf Kinder. Auch meine Ehrenämter in Kirche, Sport und Freizeit geben mir Balance und bringen mich nah an die Basis.
Was ist das Spannendste, das Sie je gemacht haben?
Ich hatte das Glück zu vielen spannenden Reisen, Bergtouren und Familienerlebnissen. Am faszinierendsten war jedoch mein Jahr in Mexiko: Mit Straßenkindern in einem Slum zu arbeiten, jeden Tag voller Freude, Traurigkeit und intensiver Erfahrungen. Südamerika insgesamt habe ich in all seiner Pracht erleben dürfen.
Wie motivieren Sie sich selbst an trüben Tagen?
Durch gute Musik, Sport und kleine Stoßgebete – und das Vertrauen, dass auch wieder bessere Zeiten kommen.
Wenn Sie unerwartet ein paar Tage frei hätten, was würden Sie tun?
Ich würde meinen Rucksack packen und eine Hüttentour machen – frische Luft, neue Wege, neue Kraft.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten drei Wünsche frei – was würden Sie sich wünschen?
Menschlichkeit: Respekt und Liebe unter den Menschen
Frieden: im Kleinen und im Großen – Zufriedenheit
Zeit: für Familie, gute Gespräche, neue Erlebnisse, Zeit für mich und Zeit für Gott
Vielen Dank für das Gespräch!
Die Fragen stellte Edith Fuchs.
Isabell Hagenmaier im Interview
Isabell - wir kennen uns ja, deshalb bleibe ich beim ‚Du‘ - Du arbeitest als Theologin bei der „Sinnsuche“ im Biberacher Jordanbad. Was macht man denn da?
Die Stelle ist sehr vielfältig aber im Grunde mache ich spirituelle Angebote vor Ort und Seelsorge für junge Erwachsene.
Was sind das dann für Angebote zum Beispiel?
Auszeittage, manchmal kreativ oder unter einem bestimmten Thema. Klangmeditationen sowie Impulse, und dann auch, leider noch selten, das persönliche Seelsorgegespräch.
Hat Dich diese Vielfalt auch an der Stelle gereizt, dass Du Dich darauf beworben hast?
Ja, absolut. Eine Therme ist kein Ort, an dem man Begegnungen mit Gott und dem Glauben vermuten würde, das macht es so interessant. Da habe ich auch mit Menschen zu tun, die nicht die klassischen Kirchgänger sind.
Was würdest Du jemandem sagen, der Theologie für „weltfremd“ hält?
Ich würde der Person erst einmal zustimmen wahrscheinlich. Aber Wissenschaft will ja meistens gar nicht praktisch sein. Umso wichtiger ist es, dass wir alle unseren Glauben in die Praxis holen und erfahrbar machen, nicht nur ‚erdenkbar‘.
Welche theologische Gedanken trägst Du im Rucksack, wenn Du in der Bahn sitzt?
In der Bahn lese ich meistens Romane, aber wenn ich mir nachts die Sterne anschaue, werde ich schon mal theologisch und philosophisch. Der Gedanke von Unendlichkeit haut mich jedes Mal um.
Gibt es Momente, in denen Du an Gott zweifelst?
Ich glaube, dass ich noch nie wirklich an der Existenz Gottes gezweifelt habe. Eher als Gedankenexperiment. Aber an Gottes Plänen, ob die Sinn machen und gut sind, daran habe ich schon zutiefst gezweifelt. Da beginnt dann diese Sinnsuche.
Wie würdest Du einem Kind erklären, was "Gnade" bedeutet?
Das erkläre ich jedem gleich: So nennt man die Geschenke, die uns Gott macht.
Welche kirchliche Tradition würdest Du sofort abschaffen – und welche neu erfinden?
Abschaffen würde ich die Massen-Firmungen. Da fände ich eine bewusste Entscheidung, vielleicht so im jungen Erwachsenenalter sinnvoller. Traditionen kann man halt leider schlecht erfinden, die müssen wachsen.
Wenn Jesus heute leben würde – welchen Hashtag würde er wohl verwenden?
Bestimmt #jederchristeingitarrist.
Isst Du lieber süß oder salzig?
Salzig. Bei Chips kann ich nicht aufhören.
Welches Gericht hast Du als Kind am liebsten gegessen und wer hat es gekocht?
Das ist mir erst vor kurzem wieder eingefallen! Ich mochte als Kind mal eine Zeitlang Fusilli mit brauner Hackfleischsoße am liebsten. Als ich letztens Geburtstag hatte, wollte ich mir das nämlich dann selbst kochen. Aber hat natürlich überhaupt nicht so geschmeckt, wie von Mama.
Was muss man machen, wenn man an einem Angebot von Dir teilnehmen möchte?
Mich am besten einfach anrufen oder eine Mail schreiben. Die Veranstaltungen werden über die Pfarreien beworben aber Ideen und Wünsche und Anfragen sind bei mir sehr willkommen. Und wenn jemand gerne über ein persönliches Thema sprechen möchte oder einfach eine Gesprächspartnerin sucht, um Gedanken zu sortieren, dann herzlich wollkommen bei der Sinnsuche Jordanbad.
Herzlichen Dank für das Interview.
Die Fragen stellte Edith Fuchs.
Carsten Reinaerdts: Fragen & Antworten
1. Herr Reinaerdts, sie arbeiten in der Profistelle „Schulpastoral“.
Was versteckt sich hinter den Begriffen Schulpastoral und Schulseelsorge?
Schulpastoral ist ein wichtiger kirchlicher Dienst im Lern- und Lebensraum „Schule“. Schulpastoral ist der Überbegriff für die Schulseelsorge und den Bereich „Kirche und Schule“ – sprich Kirche vor Ort mit Schule vor Ort zu vernetzen und in Verbindung bringen. In der Schulseelsorge begleiten wir Menschen im Kontext „Schule“ in schwierigen Situationen – ganz oft nach einem Todesfall in einer Klasse oder im Kollegium.
2. Welche Ausbildung haben Sie und was hat sie bewogen, sich für den Schulpastoraldienst zu bewerben?
Ich habe Soziale Arbeit studiert, später dann noch berufsbegleitend ein Masterstudium „Management im Sozial- und Gesundheitswesen“. Im letzten Jahr habe ich die diözesane Weiterbildung zum Schulseelsorger abgeschlossen.
An meiner vorherigen Stelle an einer katholischen Schule kam ich das erste Mal konkret mit schulpastoralen Angeboten in Berührung und mich hat der Bereich von Anfang an begeistert. Als ich dann auf die Stellenausschreibung „Schulpastoral“ für unsere Dekanate gestoßen bin, war für mich schnell klar, dass ich hier meinen Schwerpunkt setzen möchte.
3. Was reizt Sie an der Aufgabe mit Schülern zu arbeiten?
Ich finde es wirklich spannend, mit jungen Menschen ins Gespräch zu gehen, zu erfahren, was sie in ihrer Lebenswelt beschäftigt und sie ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten.
Immer wieder bin ich fasziniert, wenn ich merke, wie sich Jugendliche von für sie ansprechenden (spirituellen) Impulsen fesseln lassen. Das kann auch eine wichtige Grundlage für uns als Kirche sein: Wenn das Angebot (inhaltlich und in ihre Lebenswelt) passt, dann sind die jungen Menschen auch dabei.
4. Arbeiten Sie nur mit Schülern, oder gehören auch Erwachsene, z.B. Lehrer zu Ihrer Zielgruppe?
Die Schulpastoral spricht alle am Schulleben beteiligte Personen an. Also zählen natürlich auch Erwachsene zur Zielgruppe, wenngleich der Schwerpunkt meiner schulpastoralen Arbeit bei den Schülerinnen und Schülern liegt.
Für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit biete ich immer wieder mal Fortbildungen an, häufig in Kooperation mit unserer Kontaktstelle Trauer. Oder ich berate Lehrkräfte und Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter in schwierigen Situationen, wenn z. B. ein Schüler der eigenen Klasse bzw. aus der Schule verstorben ist.
5. Was unterscheidet die schulpastorale Arbeit vom Religionsunterricht?
Schulpastorale Angebote sind außerunterrichtliche Angebote, die bewusst nicht über einen Stundenplan abgebildet werden. Im Religionsunterricht geht es um Wissensvermittlung, bei schulpastoralen Angeboten um das Erleben von Gemeinschaft, um die Gespräche und methodisches Arbeiten rund um die Lebenswelt der jungen Menschen und um die Möglichkeit, Glaubenserfahrungen zu machen.
Ein wesentlicher Unterschied besteht strukturell darin, dass Religionsunterricht (oder alternativ der Ethik-Unterricht) im Allgemeinen ein verpflichtendes Unterrichtsfach ist. Schulpastorale Angebote haben immer freiwilligen Charakter.
Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. So findet sowohl im Religionsunterricht als auch in der Schulpastoral eine Identitätsbildung, eine Werte- und Persönlichkeitsentwicklung statt.
6. Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders?
Mir macht es sehr viel Spaß, mit jungen Menschen in Kontakt zu sein und mit ihnen auf Augenhöhe arbeiten zu können. Ich schätze auch den Kontakt mit Lehrkräften und Schulsozialarbeit sehr. Und ich genieße den großen Abwechslungsreichtum. Ich komme mit unterschiedlichen Angeboten an viele verschiedene Schulen und Schularten in beiden Dekanaten.
7. Haben Sie selbst auch Kinder?
Ja, ich habe drei Kinder im Alter von 15, 13 und 11 Jahren.
8. Wie können Sie nach Ihrer Arbeit abschalten? Bzw. was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Bei einer Tasse Kaffee mit meiner Frau, beim Radfahren (im Sommer auch gerne zur Arbeit), beim Nordic Walking und in der Sauna mit einem guten Buch kann ich prima den Kopf frei bekommen. Ich bin sehr gerne an der frischen Luft und in der Natur.
Herzlichen Dank für das Interview.
Die Fragen stellte Edith Fuchs.
Betriebsseelsorgerin Hermine Burger: Fragen & Antworten
1. Frau Burger, was versteckt sich hinter dem Wort Betriebsseelsorge?
Die Katholische Betriebsseelsorge soll Kirche in der Arbeitswelt erlebbar und erfahrbar machen. Sie ist ein Angebot für Menschen mit und ohne Arbeit unabhängig von deren Religionszugehörigkeit oder Konfession. Sie setzt sich in Betrieben und Einrichtungen zusammen mit Betriebs- und Personalräten und Gewerkschaften für Solidarität, Gerechtigkeit und Menschenwürde ein.
2. Wie kamen Sie dazu ausgerechnet in diesem Bereich zu arbeiten?
Als Gemeindereferentin in Ravensburg habe ich Anfang der 2000 Jahre die Arbeit der Betriebsseelsorge kennengelernt. Ich habe den dortigen Kollegen zu Betriebsversammlungen, Kundgebungen und Betriebsrätetreffen begleitet und dann berufsbegleitend eine Weiterqualifizierung für die Betriebsseelsorge gemacht, weil ich mich für die Rechte von abhängig beschäftigten Menschen einsetzen wollte.
3. Was macht Ihnen an der Arbeit als Betriebsseelsorgerin besonders Spaß?
Es ist toll, dass ich in meiner Arbeit selbst inhaltliche Schwerpunkte setzen kann. Da das Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz immer wichtiger wird, habe ich mich darauf auch etwas spezialisieren können. Sehr bereichernd ist auch der Austausch und die Zusammenarbeit mit den vielen verschiedenen Akteuren und Netzwerken im Landkreis: sei es im Frauenausschuss der IG Metall, in der AG Geschlechter gerecht, dem Aktionsbündnis Biberacher Tage für seelische Gesundheit oder beim Treffen der Betriebs- und Personalräte.
Sehr große Freude macht mir auch die Beratung und Begleitung von Menschen in den unterschiedlichsten Arbeits- und Lebenssituationen.
4. Sie haben ihr Büro im Alfons-Auer-Haus so wie auch die anderen Kategorial- und Profilstellen des Dekanates?
Wie ist die Atmosphäre mit so vielen Kolleginnen und Kollegen, die in unterschiedlichen Bereichen arbeiten?
Im Haus ist eine sehr gute Arbeitsatmosphäre und ein freundschaftliches Miteinander auch mit den Beschäftigten des Verwaltungszentrums, der kath. Erwachsenenbildung und der Caritas. Engeren Kontakt habe ich natürlich mit den Kolleginnen und Kollegen des Dekanates, die wie ich im 1. Stock untergebracht sind. Dadurch, dass wir jetzt nach der Renovation des Hauses unsere Büros so nah beieinander haben, finden viele Absprachen auf dem kurzen Dienstweg statt, was die Arbeit sehr effektiv macht und es ergeben sich wie nebenbei gemeinsame Projekte mit den anderen Arbeitsbereichen: wie z. B. die Aktion mit dem missio-Truck „Eine Welt. Keine Sklaverei.“ zusammen mit Carsten Reinaerdts von der Schulpastoral. Für März 2025 ist zusammen mit Iris Espenlaub von der Notfallseelsorge eine Qualifizierung geplant für psychologische Erstbetreuer/innen bei traumatischen Ereignissen im Betrieb. Mit der Seniorenpastoral und der kath. Erwachsenenbildung gestaltet die Betriebsseelsorge einmal im Jahr eine Segensfeier für Menschen, die in den Ruhestand gehen.
5. Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Da ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, ist mir die Natur sehr wichtig. Beim Spazierengehen oder bei der Gartenarbeit kann ich mich super entspannen und abschalten. Wenn es meine Zeit erlaubt, lese ich auch gerne Artikel und Bücher in meiner Lieblingssprache portugiesisch oder mache einfach auch mal gar nichts.
6. Was wünschen Sie sich für die Entwicklung der Kirche in den nächsten Jahren?
Kirche muss noch entschiedener Partei ergreifen für benachteiligte Menschen. Als Betriebsseelsorgerin denke ich da besonders auch an Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Kirche muss ihre Stimme erheben, dort wo Unrecht geschieht und sich konsequent für gerechte Strukturen in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft einsetzen. Ich wünsche mir eine Demokratisierung der Kirchenstruktur, in der auch die Frauenrechte verwirklicht werden.
Herzlichen Dank für das Interview.
Die Fragen stellte Edith Fuchs.
Dekanatsreferent Björn Held: Schnelle Fragen & Antworten
1. Was macht eigentlich ein Dekanatsreferent?
Ein Dekanatsreferent leitet die Dekanatsgeschäftstelle, führt die Geschäfte der Dekanatsgremien, ist in ausgewählten Bereichen selbst pastoral tätig, führt das Dekanatspersonal im Alfons-Auer-Haus und koordiniert und begleitet die Profil- und Kategorialstellen. Die Aufgabe des Dekanatsreferenten verbindet Management, Theologie und Seelsorge.
2. Welche Aufgaben erfüllen Sie hier im Dekanat?
Die Geschäftsstelle der Dekanate Biberach und Saulgau hier im Alfons Auer Haus hat die Besonderheit, dass die Arbeit von zwei Dekanaten in einer Geschäftsstelle zusammenläuft. Die beiden Dekanatsreferenten müssen sich gut absprechen. Meine Aufgaben sind u.a.: Geschäftsführung Dekanat Saulgau, Familienpastoral, Trauerpastoral, Seniorenpastoral, Begleitung Notfallseelsorge, Behindertenseelsorge und Schulpastoral, Ansprechperson Pfarramtssekretärinnen Vakanzbegleitung, Fortbildungen für Haupt- und Ehrenamtliche, Begleitung und Durchführung von Wahlen.
3. Welche seelsorgerischen Themen liegen Ihnen am Herzen?
Da gibt es einige: Z.B. aus der Kraft des Glaubens zu leben und aufzuzeigen, welchen „Mehrwert“ ein Leben mit dem Glauben haben könnte. Ein anderes Feld ist die Trauerseelsorge: Ich bin gemeinsam mit Renate Fuchs vom Dekanat und Silke Jones von der Caritas für die Trauerarbeit zuständig. Dies ist ein großes und nicht zu unterschätzendes Feld, das in unserer Gesellschaft viel zu wenig Beachtung findet.
4. Welche Themen stellen sich in der Trauerarbeit, mal ganz abgesehen vom Tod eines nahe stehenden Menschen?
Nach dem Tod eines Menschen hat der Zurückbleibende immer noch eine starke Verbindung mit dem Verstorbenen. Es stellt sich für ihn das Problem, dass er einerseits seine Trauer zulassen, aber zugleich auch die Kraft finden muss, sein Leben trotz des Verlustes weiterzuleben. Die Gesellschaft tut sich tendenziell mit dem Thema Trauer schwer.
5. Mit welchen Themen sind sie in der Trauerarbeit konfrontiert?
Trauer hat viele Aspekte. Spricht man über einen Suizid, ist für die Betroffenen oft die Frage nach der Schuld eine Frage. Spricht man über den Tod eines Kindes, kommt das ganze Weltbild der Betroffenen ins Wanken und der Sinn des eigenen Lebens wird in Frage gestellt. Unweigerlich stellt sich auch die Frage nach Gott.
Auch außerhalb des Todes hat Trauer einen festen Platz im Leben jedes Menschen. Viele trauern den sog. alten Zeiten nach. Man trauert, wenn Beziehungen zerbrechen, wenn die Kinder aus dem Haus gehen, wenn man als alter Mensch nicht mehr so kann wie früher. Loslassen, immer wieder Abschiednehmen ist eine Grundkonstante in unserem Leben.
6. Haben Sie in der letzten Zeit Fortbildungen besucht und hat das auch Einfluss auf ihr privates Leben?
Ja, im Augenblick mache ich die Ausbildung zum geistlichen Begleiter und werde mich im nächsten Jahr mit der Vakanzbegleitung für Gemeinden ohne Priester beschäftigen. Das sind Fortbildungen, die ich beruflich direkt einsetze, die sich aber von meiner Persönlichkeit nicht trennen lassen. Die eigene Spiritualität ist Grundlage für alles und bildet den Grundstock für die Seelsorge.
7. Was bewegt Sie persönlich?
Ich fühle mich in meiner Familie sehr beheimatet. Die Pflege meiner Eltern wird wohl zukünftig immer mehr ein Thema sein. Allgemein mache ich mir auch Gedanken über die Veränderungen in unserer Gesellschaft und unserer Kirche, den Zusammenhalt, die Krisen, die Umweltbelastungen und Kriege.
8. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich singe gerne und bin in einem Chor, ich spiele Klavier, bin einmal pro Woche auf dem Tennisplatz und mache gerne gemeinsam Musik mit meinen Töchtern.
9. Gibt es etwas Außergewöhnliches, das Sie gerne einmal tun würden?
Ich würde sehr gerne einmal die Hollywood Studios besuchen. Ich schaue unheimlich gerne Filme und weiß, wie viel Arbeit darin steckt. Das einmal vor Ort zu sehen, würde mich echt interessieren. Ein völlig anders Feld, aber es reizt mich auch schon lange – ich würde gerne einmal die NASA besuchen. Vielleicht klappt das ja irgendwann.
10. Was haben Sie im letzten Jahr Lustiges erlebt?
Das ist eine schwierige Frage – eine lustige Situation fällt mit gar nicht ein, das merkt man sich im Einzelnen ja auch nicht. Aber hier im Dekanat lachen wir eigentlich viel. Wenn wir gemeinsam neue Konzepte entwickeln, wenn wir administrative Probleme lösen, dann gibt unter den Kollegen manchmal ein Wort das andere, wir lachen gemeinsam und dadurch ist das gemeinsame Arbeiten auch humorvoll und nicht nur anstrengend.
Seelsorgerin Kerstin Ploil: Schnelle Fragen & Antworten
Was machen Sie als erstes am Morgen?
Nach dem Aufstehen schicke ich als erstes einen Gruß an meine Partnerin in den Schwarzwald per WhatsApp. Ich sage ihr, was sie mir bedeutet und wünsche ihr einen guten Tag.
Was machen Sie als letztes am Tag?
Fast das gleiche wie am Morgen. Ich schicke noch einmal einen lieben Gruß an meine Partnerin und meist lese ich noch ein wenig oder höre ein Hörspiel an.
Was bereitet Freude an der Arbeit?
Ich wollte schon immer Seelsorgerin sein. In meinem Arbeitsfeld wird genau das am meisten abgerufen. Ich begleite Menschen in ihrer Lebenswelt, die nach dem gelingenden Leben fragen. Ich mag die Direktheit der Menschen auf dem gemeinsamen Weg. Ich bin gerne an den Schulen. Es macht mir Freude, die frohe Botschaft in die heutige Zeit zu übersetzen. Meine Arbeit ist bei und mit den Menschen, an ganz vielen unterschiedlichen Orten.
Was mögen Sie an ihrer Arbeit überhaupt nicht?
An meiner Arbeit gibt es nichts, was mir nicht gefällt. Ich grenze keine Menschen aus, noch mache ich Unterschiede. Ich will Menschen auch im Scheitern - das gehört zum Leben dazu - begleiten und nicht verurteilen. Ich glaube, dass das innerliche theologische Ringen mit der Amtskirche und ihr Festhalten an manchen Strukturen für viele Menschen schwierig sein kann. Also wenn ich etwas überhaupt nicht mag, dann das.
Was haben Sie durch ihre Arbeit gelernt?
Dass das Leben vielfältig und bunt ist. Dass es keinen Menschen gibt, von dem ich nicht noch etwas lernen kann. Und dass Vielfalt in meinem Kopf beginnt. Meine innere Beziehung zu Gott hat sich weiterentwickelt. Gott liebt all seine Kinder so wie sie sind. Dies ist für mich zu einer Erfahrung mit Tiefgang geworden.
Welches Buch haben sie zuletzt gelesen?
„Miss Merkel“ von David Safier. Und ich fand es herrlich erfrischend! Warum? Weil ich manchmal einfach nur aus Freude am Lesen lese. Es muss ja nicht immer schwere Kost sein!
Wohin geht es dieses Jahr in den Urlaub und warum?
Dieses Jahr wandere ich mit meiner Partnerin - zu diesem Zeitpunkt dann bereits meine Frau - den Lechweg. Es ist unsere Hochzeitsreise!
Was ist ihr Lebensmotto?
Lache, lebe und liebe aus vollem Herzen! Nimm dich und dein Leben ernst, du hast nur dieses eine!
Dekan Stefan Ruf: Schnelle Fragen & Antworten
Was war Ihre erste selbst gekaufte Platte?
Meister Eder & sein Pumuckl
Welchen Film schauen Sie sich immer wieder an und er wird einfach nicht langweilig?
La Vita è Bella - Das Leben ist schön.
Ein Film der an Aktualität leider nicht verloren hat und mich immer wieder von Neuem tief berührt.
Welches Reiseziel steht schon lange auf Ihrer Liste?
Paris & der Besuch der wiederhergestellten Kathedrale Notre Dame.
Können Sie Reifen wechseln?
Eher nicht, mein Vater hat mir hier immer sehr gut geholfen.
Gibt es ein Gericht, für das Sie die Zutaten immer im Kühlschrank haben?
Für Spaghetti Bolognese ist immer was im Schrank.
Was wollten Sie als Kind werden?
Zahnarzt.
Wie sieht Ihr perfekter Sonntag aus?
Wenn ich Gottesdienst mit meinen Gemeinden feiern darf und dabei schöne Begegnungen erfahre.
Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie?
Pinguin















