Verantwortung wahrnehmen und etwas verändern: Heidemarie Wieczorek-Zeul sprach in Biberach.

BIBERACH – Sie leitete 11 Jahre das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Heute brennt Bundesministerin a.D. Heidemarie Wieczorek-Zeul immer noch für die Fragen nach dem guten globalen Zusammenleben. Rund 200 Interessierte hörten ihren Vortrag „Schritte zu einer gerechteren Welt“ und konnten anschließend bei 12 Organisationen zu unterschiedlichen Lebensbereichen Tipps zur persönlichen FairÄnderung bekommen.

Die Weltordnung der letzten Jahre zerfalle und das müssen wir Europäer mitgestalten. 30 Jahre Marktradikalismus haben Auswirkungen auf das menschliche Miteinander. Derzeit wachse Rechtlosigkeit und Gewalt sowie die Kluft zwischen arm und reich. „Es braucht einen Paradigmenwechsel“, so Wieczorek-Zeul. Sie verwies auf die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung, die 2015 bei einem UN-Gipfel verabschiedet wurden: „Diese Ziele sind universell gültig, sie binden auch uns. Wir müssen deutlich machen, dass wir Probleme nicht auslagern können!“. Aus diesen 17 Zielen griff Wieczorek-Zeul vier Aspekte heraus:  Wohlergehen für alle innerhalb der Belastungsgrenzen unseres Planteten, Ungleichheit bekämpfen, wie mit der Migration umgehen, Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen.

Es müsse eine nachhaltige Orientierung geschaffen und die Belastungsgrenze des Planeten akzeptiert werden. Weltweit müsse eine Umstellung auf erneuerbare Energien erfolgen und ein Ausstieg aus der Atomenergie. „Wenn wir nicht anfangen, werden die anderen Staaten nicht mitziehen“, mahnte Wieczorek-Zeul. Zwischen und innerhalb der Staaten müsse eine Verteilungs- und Steuergerechtigkeit herbeigeführt werden. Dabei helfe eine öffentliche und transparente Berichterstattung. Beispielsweise müssen Textilunternehmen, die in Deutschland verkaufen, in den Produktionsländern gute Arbeitsbedingungen garantieren. Wieczorek-Zeul: „Hier ist der Druck der Gesellschaft notwendig!“ Beim Thema Migration gehe es auch darum, Fluchtursachen zu bekämpfen. Zivile Friedensprävention müsse gestärkt werden. Es brauche eine abgestimmte europäische Politik. Europa dürfe nicht zerfallen, der Rückzug auf nationale Interessen dürfe nicht zugelassen werden. Schließlich wies Wieczorek-Zeul darauf hin, dass Frauen in Entwicklungsländern gestärkt werden müssen, denn es gebe keine kulturelle Besonderheit, die eine Missachtung der Menschenrechte von Frauen rechtfertigen würde. Sie dankte allen Engagierten in den vielen Organisationen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen. „Wenn Du Deine eigene Verantwortung wahrnimmst, kannst Du etwas verändern!“

Veranstalter des Abends waren  Aktion Hoffnung,  Arbeitskreis Entwicklungspolitik Biberach,  BDKJ Biberach,  BUND Biberach, katholisches Dekanat Biberach und der  evangelische Kirchenbezirk Biberach.

Kerstin Leitschuh, Dekanatsreferentin