„Kirche ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“

BAD BUCHAU – Weihbischof Matthäus Karrer war für einen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zukunft der Kirche“ in Bad Buchau zu Gast mit dem Titel „Kirche nah bei den Menschen!?“ und stellte sich im Anschluss den Fragen der zahlreichen anwesenden Zuhörer und Zuhörerinnen.

Weihbischof Matthäus Karrer

Dekan Sigmund Schänzle konnten einen vollen Saal im Bischof-Sproll-Haus in Bad Buchau und Weihbischof Matthäus Karrer begrüßen. Bevor dieser mit seinem Vortrag startete, lud Dekanatsreferent Philipp Friedel die Besucher ein, über den Kirchenbegriff anhand von Bildern ins Gespräch zu kommen: „Wenn wir von ‚Kirche‘ sprechen hat jeder zunächst mal ein anderes Bild im Kopf: der Gottesdienst, das Gebäude, usw, aber Kirche ist viel mehr und viel bunter.“ In zwei Runden tauschten sich die Besucher über Bilder aus, auf denen beispielsweise Sternsinger, Pilger, ein Baustellenschild oder eine Tankstelle zu sehen waren.

Im Anschluss erläuterte Weihbischof Karrer anhand einer Präsentation seine Sicht auf die derzeitige Situation der Kirche: „Die Kirche ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft“ und sei somit auch dem gesellschaftlichen Wandel unterzogen. Weihbischof Karrer beobachtet dabei, dass es eine Zeit der Widersprüche ist und dass nach getroffenen Entscheidungen immer in zwei Richtungen argumentiert wird: „Den einen geht es zu weit, den anderen geht es nicht weit genug.“ In dieser Spannung müsse man leben. Er beschreibt, dass in Zukunft das Personal  und die finanziellen Ressourcen weniger werden, aber dass auch die bewährten Bilder von Kirche, wie bspw. die Pfarrfamilie, nicht mehr funktionieren. Deswegen gehe die Diözese den Weg der Kirchenentwicklung im Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ und stellt sich den gesellschaftlichen und kirchlichen Fragen. Für Weihbischof Karrer ist Kirche nah bei den Menschen, wenn sie…

„…an vielen Orten, vernetzt nach innen und nach außen Kirche ist.

…sich auf den sozialen Raum bezieht und einen menschenfreundlichen Lebensraum mitgestaltet.

…mitten im Leben der Menschen das lebendige Evangelium entdeckt,  zur Sprache bringt und feiert.

… Beteiligung ermöglicht: mitzugestalten - mitzuentscheiden - mitzuwirken am Projekt des Evangeliums“

Für Weihbischof Karrer geht es „nicht um Überschaubarkeit, sondern ob Kirche an vielen Orten erreichbar erkennbar ansprechbar ist.“

Danach erläuterte er an einigen konkreten Beispielen, wie das aussehen kann und nannte dabei: Die Bruder-Konrad-Stiftung im Dekanat Saulgau, Das Bündnis für Demokratie und Toleranz im Landkreis Biberach, das Netzwerk Amtzell, uvm. Das sind meistens Projekte, die Kirche mit anderen gesellschaftlichen Partnern zusammen entwickelt hat. „In Zukunft geht es weniger darum etwas für die Menschen zu tun, sondern mit den Menschen.“, betont der Weihbischof. „Wir sind alle unterwegs als Suchende und für die Fragen in der heutigen komplexen Gesellschaft, haben wir keine einfachen Antworten.“

In der anschließenden offenen Gesprächsrunde vermittelte Weihbischof Karrer auf kritische Nachfragen seinen Standpunkt. Zum Beispiel ist er ein Befürworter des Diakonats der Frau und der Weihe bewährter verheirateter Männer zum Priester, „aber nicht um das jetzige System zu erhalten sondern dass andere Perspektiven ermöglicht werden.“

Nach einem angeregten Austausch lud Dekanatsreferent Philipp Friedel zu einem kurzen Abendgebet, um deutlich zu machen, dass es bei Kirche immer um einen größeren Kontext geht und Gott nicht ausgeklammert werden darf.

Dekan Schänzle bedankte sich bei Weihbischof Karrer für seinen Vortrag und seine Zeit. „Wir dürfen Kirche nicht fertig denken, Kirche ist immer im Werden.“, betonte Dekan Schänzle am Ende des gefüllten Abends und lud noch für ein gemütliches Beisammensein ein.