„Gute Pflege ist mehr als…“ - Ausstellung im Rathaus eröffnet

BIBERACH – Im Biberacher Rathaus ist bis zum 25.6. die Ausstellung „Gute Pflege ist mehr als…“ zu sehen. Sie stellt den Arbeitsalltag der Pflegekräfte in den Mittelpunkt. Zitate von Pflegenden regen zum Gespräch und zum Nachdenken an. Die Ausstellung wurde von der der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) zusammengestellt und im Rahmen einer kleinen Feierstunde eröffnet.

v.l.: M. Wissussek, N. Zeidler, P. Niedergesäss, R. Fritzenschaft, K. Sanke

„Wir Katholiken sind in der Pflicht dafür einzustehen, dass die Menschlichkeit nicht verloren geht“, so Organisator der Ausstellung Diakon Roland Fritzenschaft vom Netzwerk Betriebsseelsorge des Dekanats Biberach. „Die Frauen und Männer in der Pflege geben den Menschen die Würde zurück“, Fritzenschaft weiter. Oberbürgermeister Norbert Zeidler bestätigte der Ausstellung dass sie sehr gut darauf hinweise, dass aufgrund des durchorganisierten Arbeitsalltags in der Pflege keine Zeit mehr da sein, sich mit dem Menschen zu beschäftigen. „Es sollte unsere gemeinsame Anstrengung sein, die Pflegeberufe wieder attraktiv zu machen“, so der Oberbürgermeister.

„Pflege ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Gottesdienst für den ich namens der Kirche allen recht herzlich Vergelt’s Gott sagen möchte“, sagte der stellvertretende Dekan Klaus Sanke. Für eine Zivilisation stelle genau die Fürsorge für alte Menschen das Unterscheidungsmerkmal dar. Die Ausstellung sei wichtig, da sie darauf hinweise, dass es in der Pflege trotz Vorgaben und Richtwerten genügend Zeit für Zuwendung und Ansprache geben müsse. Die KAB habe seit einigen Jahren den Schwerpunkt Pflege, erklärte der Diözesansekretär Peter Niedergesäss. Die Idee der Flashmobs verbreitete sich bundesweit und so haben in 100 Städten, darunter auch Biberach, Flashmobs „Die Pflege liegt am Boden“ stattgefunden. Daraufhin wurde in Baden-Württemberg eine Enquetekommission Pflege eingerichtet. Die Ergebnisse stehen im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung drin. Niedergesäss konnte berichten, dass die Bundesregierung einen Pflegebeauftragten berufen habe. „Aber es muss jetzt etwas passieren, sonst geht es mit der Pflege den Bach hinunter“, mahnte Niedergesäss.

Aus der Praxis berichtete Michael Wissussek, der in unterschiedlichen Bereichen der Pflege tätig ist und seinen Beruf liebe. Er rief dazu auf, dass sich im Landkreis alle an der Pflege Beteiligten besser vernetzen. „Die Pflege werde durch Verordnungen, die sich nicht halten lassen, zerstört“, so der Praktiker. Er forderte einen Wandel „runter von der Professionalität der Pflege hin zur Menschlichkeit“.

Für Nachdenklichkeit sorgten auch die Silberstars des Pflegeheims Danner mit ihren kritischen Texten zur Pflege.

Kerstin Leitschuh, Dekanatsreferentin