Gott im Fremden sehen: Pfarramtssekretärinnentag 2016

BIBERACH - Um den Islam und das Zusammenleben von Christen und Muslimen ging es beim diesjährigen Pfarramtssekretärinnentag der Dekanate Biberach und Saulgau. Auf dem Hintergrund der vielen muslimischen Flüchtlinge, die zurzeit in unser Land kommen, war im Kreis der Sekretärinnen der Themenwunsch erwachsen. Knapp fünfzig Pfarramtssekretärinnen kamen dazu im Kath. Gemeindezentrum in Biberach zusammen.

Dr. Wolfgang Rödl, der Fachmann für den interreligiösen Dialog im Bischöflichen Ordinariat in Rottenburg, zeigte zunächst auf, wie sich das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen im Zweiten Vatikanischen Konzil grundlegend geändert habe. So hielten die Konzilsväter z.B. fest: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat“. Dr. Rödl gab dann einen Überblick über den Islam, seine Geschichte, seine Ausbreitung und die wesentlichen Inhalte. Aus dem Bereich der Glaubenspraxis erläuterte er die „fünf Säulen des Islam“: Glaubensbekenntnis, fünfmaliges tägliches Gebet, Fasten im Ramadan, Abgabe für die Armen, Wallfahrt nach Mekka. Mit Erstaunen nahmen die Pfarramtssekretärinnen wahr, wie viele Parallelen es zwischen Islam und Christentum gibt. So hat z.B. die Barmherzigkeit Gottes, welche die Katholiken aktuell im Jahr der Barmherzigkeit besonders bedenken und feiern, im Islam schon immer eine zentrale Bedeutung. Fast alle Suren des Koran beginnen mit der Formel „Im Namen Gottes, des Barmherzigen und Allerbarmers“.

Anschließend entwickelte sich ein angeregter Austausch der Pfarramtssekretärinnen mit der evangelischen Pfarrerin Birgit Schmogro und zwei muslimischen Frauen vom christlich-muslimischen Frauentreff.  Pfarrerin Schmogro hatte diesen Treff nach dem 11. September 2001 gegründet. Seitdem kommt er monatlich in der Biberacher Friedenskirche zusammen. Wie bereichernd ein solcher Austausch über den eigenen Glauben mit Andersgläubigen für beide Seiten ist, konnten die Pfarramtssekretärinnen in der Gesprächsrunde unmittelbar erleben.

Am Nachmittag vertiefte eine Gruppe die Erfahrungen des Vormittags noch mit einem Besuch in der Moschee des Türkisch-islamischen Kulturvereins (D.I.T.I.P.), wo sie vom Imam eine Führung erhielten. Die andere Gruppe war mit Stadtführerin Tamara Prinz auf den Spuren von starken Frauen in der Geschichte Biberachs in der Stadt unterwegs. Beide Gruppen kamen dann in der Stadtpfarrkirche St. Martin wieder zusammen und feierten mit Pfr. Kaspar Baumgärtner einen Gottesdienst. Ausgehend von der Lesung aus dem Buch Genesis, die von Abrahams Gottesbegegnung bei den Eichen von Mamre erzählt (Gen 18,1-10), ermutigte Pfr. Baumgärtner in seiner Predigt dazu, im Fremden Gott zu sehen und ihm gastfreundlich zu begegnen. In der Eucharistiefeier gedachten die Pfarramtssekretärinnen auch ihrer jüngst verstorbenen Laupheimer Kollegin Margret Baur, die sich viele Jahre im Berufsverband stark für die Pfarramtssekretärinnen engagiert hatte.

Wolfgang Preiss-John, Dekanatsreferent