Ein Herz aus Gold

Das geistliche Wort zum Sonntag 19 Juni 2020 von Monsignore Heinrich-Maria Burkard:

Kreuz in Heiligkreuztal

Eins meiner Lieblingslieder meiner Jugendzeit höre ich heut noch gerne: „heart of gold“. Neil Young veröffentlichte es 1971 im Album „Harvest“. Der eingängige Refrain:„I’m looking for a heart of gold!“ – „Ich such ein Herz aus Gold“ hat sich mir tief eingeprägt. Obwohl 1971 Neil Young erst 26 Jahre alt war, sang er bei diesem Lied auch: „You keep me searching for a heart of gold and I’m growing old“ – „Du hältst mich dabei, ein Herz aus Gold zu suchen und ich werde alt!“ Ich höre daraus seine Verunsicherung, wie auch seine Sehnsucht, nach einem heileren Leben.

Als Kind erkrankte Neil bei einer Polio Epidemie an dieser hochansteckenden Krankheit, deren Folgeschäden sein Leben bestimmte. Ein Jahr vor der Veröffentlichung von „Heart of gold“ konnte er nur noch sitzend Gitarre spielen und musste sich einer Rückenoperation unterziehen. „Wo find ich das Herz aus Gold?“ heißt auch: „An wen kann ich mein Herz hängen, und wessen Herz hält mich?“ Das ist eine der Grundfragen, gerade in Zeiten der Krise und Verunsicherung.

Solche Zeiten mussten auch die Nonnen von Heiligkreuztal durchstehen. Geholfen hat ihnen dabei vor allem der Blick auf das geöffnete Herz Jesu am Kreuz. Wenn ich am Altar im Münster stehe, dann sehe ich auf der Nonnenempore ein großes Kruzifix, auf dem Jesus mit innigem Blick auf die Schwestern herabschaut, die zu ihm gebetet haben. Ich liebe dieses Kreuz, denn es hilft mir, die Anliegen all derer Jesus ans Herz zu legen, die ich im Gottesdienst vor mir sehe. Die Schwestern haben Jesus an diesem Kreuz ein goldenes Herz umgehängt. Für sie hatte und WAR Jesus dieses Herz aus Gold.

Wenn die katholische Kirche am heutigen Freitag das Fest Herz Jesu begeht, dann ist das eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken: „Wo suche ich das goldene Herz, das mich liebt, versteht und durchträgt. Ein Herz, dem ich auch das Dunkle, Verworrene und meine Angst anvertrauen kann und von dem ich mich jederzeit geliebt und begleitet weiß?“

Msgr. Heinrich-Maria Burkard, Heiligkreuztal