Biberacher Schützenlied erklingt beim Sankt-Georgs-Ritt in Ochsenhausen

OCHSENHAUSEN – Es kommt wohl nicht oft vor, dass in der Klosterkirche in Ochsenhausen das Biberacher Schützenlied gesungen wird. Anlässlich des traditionellen Sankt-Georgs-Ritts erklang das Lied beim Pontifikalgottesdienst, dem Abt Johannes Schaber OSB aus Ottobeuren vorstand.

„Das Schützenlied ist eines der würdevollsten und zärtlichsten Texte über die Schöpfung, die ich kenne“, betonte Dekan Sigmund Schänzle am Beginn des Pontifikalgottesdienstes in der Klosterkirche. Das Lied bildete den inhaltlichen roten Faden der Triduumspredigten im Vorfeld und zu diesem Gottesdienst, welcher das Patrozinium in Ochsenhausen mitsamt Reiterprozession und Reitermesse eröffnete. Dekan Schänzle konnte in diesem Jahr Benediktinerabt Johannes Schaber von Ottobeuren als Festprediger und Reliquienträger gewinnen.

In seiner Predigt ging der Abt auf die drei Punkte im Titel „Den Schöpfer im Geschöpfe ehren“ ein. Zunächst erläuterte er, was aus seiner Sicht Schöpfung bedeutet. In Abgrenzung zum Begriff ‚Natur‘, „redet man von Schöpfung, wenn man überzeugt ist, dass die Natur jemand gemacht hat, geschaffen hat.“ Dabei stellte Abt Johannes die Frage, wie man diesen Schöpfer entdecken könne? Er ging dabei auf Paulus ein: „Seit der Erschaffung der Welt sind seine Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen.“(Röm1,20)  Er verglich dieses Bild mit Bildern von Künstlern, Liedern und Kompositionen von Musikern oder der eigenen Schrift. Bei allen „Werken“ könne man anhand des Stils den Macher dahinter erkennen. „Wir können zurückschließen auf den, der es gemacht hat, deswegen sieht ein Christ nicht nur die Natur, sondern die Schöpfung“, erläuterte Abt Johnannes Schaber.

„Die Geschöpfe sind Anschauungsmaterial der Schöpfung“, führte er in seinen zweiten Schwerpunkt der Predigt ein und schlug dabei auch kritische Töne an. Er macht deutlich, dass alle Tiere und wir Menschen, Geschöpfe sind und die Frage erlaubt sein darf, ob wir alle auch so behandeln, gerade wenn man bspw. die Massentierhaltung betrachtet, aber auch im Miteinander mit den Menschen auf der ganzen Welt. „Das Geschöpf impliziert die Liebe Gottes“.

Das Wort „ehren“ heißt heute „wertschätzen oder ehrfurchtsvoll sein“, so der Abt. Beim Blick auf die zehn Gebote: ‚Du sollst Vater und Mutter ehren‘, „bedeutet ehren aber auch Verantwortung zu übernehmen“, erläuterte Abt Johannes Schaber und verdeutlichte: „‘Den Schöpfer im Geschöpfe ehren‘, wenn wir das glauben, heißt das Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen und im Kleinen zu verändern.“ Er betonte weiter: „Den Schöpfer ehren ist immer eine Antwort auf die Liebe Gottes, in dem wir alle Menschen und alle Tiere ehren. Wir dürfen uns nicht drücken und müssen gemeinsam überlegen, wie können wir für soziale Gerechtigkeit einstehen und was können wir dafür tun.“

Dekan Schänzle bedankte sich zum Schluss des Gottesdienstes bei Abt Johannes Schaber für seine erfrischende Predigt und überreichte ihm Wein und die Bronzeplakette des hl. Georgs.

Um 11.45 Uhr wurde die Reliquie vor der Kirche an Abt Johannes übergeben. Er hat es sich nicht nehmen lassen, selbst beim Georgsritt mitzureiten. Über 500 Reitern in 24 Reitergruppen zogen mit einigen Musikkapellen aus der Region durch die Stadt Ochsenhausen und dann durch die Schöpfung um diese so zu ehren. Der feierliche Abschluss bildete die Reitermesse auf dem Klosterhof. Dekan Schänzle ist am Ende des Tages trotz Sonnenbrand im Gesicht rundum zufrieden und man konnte getrost, auch in Ochsenhausen, singen:

„Weit um mich her ist alles Freude,

o freu auch, meine Seele, dich

in Gottes schönem Weltgebäude!

Wie reichlich segnet er auch mich!

Lass dessen Lob umher erschallen,

der dir so wohl tut, allen, allen,

so wohl tut, der so gütig ist!

Stimmt ein in der Geschöpfe Chöre:

Dir Gott sei Preis, Dir Dank und Ehre,

der Du der Ewiggute bist!“

(3. Strophe, Biberach Schützenlied)

 

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