Auf Qualität und Langlebigkeit achten: Mit Kleidung achtsam umgehen.

DEKANAT BIBERACH – Wie wird unsere Kleidung produziert und was passiert mit ihr bevor ich sie im Schrank habe? Und wie kann ich Kleidung, die ich nicht mehr brauche, sinnvoll abgeben? Um diese und andere Fragen ging es bei einem Podiumsgespräch mit Christiane Schnura von der Kampagne Saubere Kleidung und Andreas Voget vom Dachverband FairWertung. Es fand in der Sammelzentrale der Aktion Hoffnung in Laupheim statt und wurde von Dr. Christian Rak moderiert.

„95 Prozent unserer Kleidung wird nicht in Deutschland hergestellt“, berichtete  Schnura. Sie werde in Billiglohnländern wie Asien oder Osteuropa produziert. Vor allem in Asien herrschen katastrophale Arbeitsbedingungen. So gebe es in Bangladesch ca. 3500 Textilfabriken, die hauptsächlich in Wohn- oder Bürogebäuden untergebracht seien. „Diese sind statisch nicht auf Maschinen ausgerichtet“, erklärte Schnura. Brandschutz und Gebäudesicherheit seien große Probleme. Dazu kommen die Hungerlöhne der Näherinnen. Schnura: „Nur mit 16 Stunden Arbeit an sieben Tagen in der Woche können sie überleben.“ Grund für diese schlechten Bedingungen sei die Tatsache, dass Kleidung immer billiger werde. „Kleidung ist zu einem Wegwerfartikel geworden“, beklagte Schnura. Der  Kollektionswechsel in der Mode sei nicht mehr zweimal im Jahr, sondern monatlich. Die Produktion unterliege einem internationalen Konkurrenzkampf. Dabei werde als erstes an den Löhnen gespart.

 Andreas Voget beleuchtete das andere Ende der Kleidungskette. Die Modekreisläufe seien schneller geworden, die Sammelformen haben sich verändert. Während es früher nur Haustür- und Straßensammlungen gab, gibt es heute Gebrauchtkaufhäuser caritativer Organisationen und das Containersystem. Seit vier Jahren erlaubt das Kreislaufwirtschaftsgesetz den Kommunen selber in die Sammlung einzusteigen. Mit diesen Veränderungen sei auch die Zahl der illegalen Sammlungen gestiegen. „Es gibt ganz viele Tricks bei den Straßen- und Containersammlungen. Verstöße seien leider nur eine Ordnungswidrigkeit“, wusste Voget. Die Menge der abgegebenen Kleider sei viel höher als der Bedarf. Aus den Sammlungen und Containern kommen die Kleider in Textilsortierbetriebe. Von dort gelangen 55-60 Prozent in den Secondhand-Bereich. Der Rest werde recycelt oder zu Putzlappen verarbeitet. Den Vorwurf, dass die europäischen Kleiderexporte nach Afrika den dortigen Textilmarkt zerstören, wies Voget zurück. „Der Niedergang des Textilhandels in Afrika sind die Standortnachteile, wie häufiger Stromausfall und Wassermangel.“ Ferner sei gebrauchte Kleidung billiger als neue und deswegen auch für viele Afrikaner erschwinglich. Dem Verbraucher empfahl Voget, beim Kleidungskauf auf Langlebigkeit und Qualität zu achten und sich nicht dem Modediktat zu unterwerfen. „Machen Sie sich frei davon oder kaufen Sie secondhand. So werden die Ressourcen geschont.“, so Voget. 

In der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmenden wurde deutlich, wie schwer es ist, saubere Kleidung zu kaufen. Auch bei qualitativ hochwertigen Stücken sei es nicht gewährleistet, dass sie fair hergestellt wurden. Schnura empfahl deswegen hin und wieder im Bekleidungsgeschäft darauf hinzuweisen, dass faire Kleidung gewünscht sei. „Der öffentliche Druck ist der beste Hebel“, empfahl Schnura. Eine Selbstverpflichtung der Unternehmen hinsichtlich der fairen Produktion reiche nicht aus. Schnura „Es braucht gesetzliche Rahmenbedingungen!“

Der Abend wurde veranstaltet von der Aktion Hoffnung, dem Arbeitskreis Entwicklungspolitik Biberach, dem BDKJ Biberach, dem BUND Biberach und dem kath. Dekanat Biberach.

Kerstin Leitschuh, Dekanatsreferentin