Von Königen zu fürsorglichen Nachbarn: Kinderschutz geht uns alle an

Geistliches Wort von Christian Schlecht, Präventionskoordinator der Dekanate Biberach und Saulgau

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht – Jahr für Jahr freue ich mich, wenn die Sternsinger an der Türe klingeln, ihr Lied und ihren Sternsinger Spruch vortragen und mich mit leuchtenden und erwartungsfrohen Augen anschauen. Allein in unserer Diözese Rottenburg- Stuttgart waren in diesem Jahr wieder mehrere tausend Kinder unterwegs und haben viel Geld gesammelt. Diese Sammelerträge sollen weltweit benachteiligte Kinder unterstützen, doch uns muss klar sein, dass Armut und verschiedene Formen von Kindeswohlgefährdung auch bei uns vor Ort ernst zu nehmen sind.

Die Sternsinger-Aktion erinnert an die Heiligen Drei Könige und ihre Botschaft der Fürsorge. Gleichzeitig mahnt sie, dass Schutz und Unterstützung dort beginnen, wo Kinder leben: in Familien, Schulen und Nachbarschaften. Statistiken zeigen, dass Missbrauch, Vernachlässigung und andere Gefährdungslagen weltweit, aber auch direkt bei uns vor Ort existieren, in unserer Straße, in unserem Wohnviertel. Unser gemeinsames, gesellschaftliches Ziel muss ein frühes Erkennen von Signalen von möglichen Kindeswohlgefärdungen sein und damit ein konsequentes Handeln zum Schutz der Kinder und Jugendliche.

Im Dekanat Biberach arbeiten ehren- und hauptberufliche Präventionsbeauftragte  daran, in den Kirchengemeinden und Einrichtungen Strukturen zu stärken, die sichere Räume schaffen: klare Regeln, transparente Kommunikation und verlässliche Hilfsangebote. Der Fokus hierbei liegt auf Hinschauen, Zuhören, Begleiten und zeitnaher Intervention, wenn Warnsignale auftreten. Dabei geht es um Hilfe statt Verdächtigungen: Die Zusammenarbeit mit Schulen, Kindertagesstätten, Nachbarschaftshilfen und anderen Einrichtungen wird gezielt ausgebaut. Prävention zum Schutz von Kindeswohlgefährdung wird hier als Dienst an der Menschheit verstanden: Bildung, Aufklärung und klare Wege sind zentrale Bausteine, damit Kinder sicher aufwachsen können.

„Das geht mich nichts an“ oder „da kann nichts sein“  darf nicht als Ausrede herhalten, wenn wir sehen oder vermuten dass es einem Kind oder einem Jugendlichen nicht gut geht. Oft ist dies vielleicht die einzige Chance einem Kind oder einer Familie zu helfen, da eine Kindeswohlgefährdung meist nicht offen zu erkennen ist.

Ich bin sehr froh darüber, dass wir vor Ort in unseren vielfältigen kirchlichen Begegnungen viele geschulte Personen wissen, die sensibel und kompetent das Thema „Schutz vor Kindeswohlgefährdung“ im Blick haben - denn Kinderschutz geht uns alle an.