Dietmar Mieth predigt beim Kapitelsjahrtag

DEKANAT BIBERACH – Prof. Dr. em. Dietmar Mieth hat beim Kapitelsjahrtag und dem Gedenken an Alfons Auer des Dekanats Biberach in der Kirche St. Peter und Paul in Kappel/Bad Buchau gepredigt. Dekan Sigmund Schänzle zelebrierte den Gottesdienst gemeinsam mit Vikar Josef Laupheimer und Diakon Lerner. Der Stiftschor gestaltete den Gottesdienst musikalisch.

Dietmar Mieth, emeritierter Sozialethikprofessor der Universität Tübingen und Schüler von Alfons Auer, hat sich extra aus Bochum auf den Weg nach Bad Buchau gemacht, um in diesem Jahr an seinen Doktorvater Alfons Auer zu gedenken und gemeinsame Erfahrungen und Gedanken Auers in der Predigt zu teilen. Er kann dabei auf 35 Jahre zurückblicken in denen er näher mit Alfons Auer, dem Namensgeber des Dekanatshauses, zusammenarbeiten durfte. Prof. Mieth bezeichnet Auer als einen „Mann des Einerseits und des Anderseits im Verhältnis zur Kirche.“ Einerseits habe er häufig mit Entscheidungen der Kirche gerungen, andererseits „suchte er immer, was er positiv zu den Leuten sagen konnte.“ Mieth überlegte in seiner Predigt: „Was würde Alfons Auer zur heutigen Situation der Kirche sagen?“, und nannte dabei folgende Probleme, die zur Zeit Auers noch nicht so absehbar waren: „Priestermangel, wiederverheiratete Geschiedene, Homosexualität und Missbrauch.“ Dabei würde Alfons Auer, laut Mieth, bescheinigen, dass es schon kleine Fortschritte gäbe: „Wir würden vielleicht nicht alles erleben, was wir uns wünschen, aber er [Alfons Auer] war Optimist.“, sagte Mieth. Er verdeutlichte: „Auer hat die Welt für die Kirche geöffnet und Kirche muss von der Welt etwas lernen.“ So hält  Mieth im Blick auf den Missbrauchsskandal die „innere Solidarität im Kirchenrecht“ für nicht mehr haltbar. „Die Kirche wird sich der Rechtsvernunft der weltlichen Welt öffnen müssen.“, so Mieth weiter, „dafür muss Kirche Fortschritte auch ethisch an sich heranlassen.“ Prof. Mieth sieht als Grundfrage für die Zukunft: „Wie können wir heute die Kirche moralisch bewohnbar machen?“.

Im Gottesdienst wurde dann insbesondere der verstorbenen Seelsorgerinnen und Seelsorgern im Dekanat Biberach gedacht: Pfarrer i. R. Georg Gawaz , Pater Silvester Niechel, Schwester Maria Lidwigis Eisele und Schwester Willebolda Herold, die im Dekanat gewirkt haben.

Am Ende bedankte sich Dekan Sigmund Schänzle herzlich für die Wort von Prof. Dietmar Mieth. Im Anschluss traf man sich im Bischof-Sproll-Haus zur Begegnung.